Editor's Rating

7
Präsentation
7
Atmosphäre
6
Bedienung/Technik
6
Sound/Musik
6
Gameplay

Ich war ja schon immer der Typ „Sniper“. Ja, jetzt ist es raus. Ich schleiche gern durch die Gegend, hocke in finsteren Winkeln und warte auf den richtigen Moment. Dann schlage ich zu. I’m lovin it. Da sollte doch Thief – die Neuauflage des 1998 erschienenen, damals bahnbrechenden Schleichklassikers – genau das Richtige für mich gewesen sein.

Irgendwie eh. Ich habs auch größtenteils gemocht. Inhaltlich sieht es so aus: die Hauptfigur, der Dieb Garrett, gerät bei einem Auftrag an eine abstruse, Illuminaten-artige Truppe, die mit Mächten hantiert, von denen sie nix versteht. Das mit dem Hantieren geht dann – nona – schief und es wird recht schnell ungemütlich. Die Story ist am Anfang cool, dann geht ihr aber irgendwann die Puste aus und sie wird ein wenig langweilig. Garrett der Meisterdieb trägt auch nicht gerade viel zur Stimmung bei. Er bleibt einem seltsam fremd. Eventuell weil er aussieht wie Joaquin Phoenix auf Drogen in einer psychotischen Phase?

Die Grafik ist insgesamt recht hübsch, hinkt aber leider gerade bei der Licht/Schatten-Darstellung der aktuellen Gamesgeneration etwas hinterher. Keine idealen Prioritäten, wenn man bedenkt, wir reden hier von einem Schleichspiel.

Überhaupt krankt das Spiel am Setzen der richtigen Prioritäten: man kriegt zum Beispiel eine Menge cooles Spielzeug, wie z.B. Pfeile mit feuerlöschenden Spitzen. Blöd ist nur, dass man das Meiste davon so gut wie nie braucht. Beispiel Steuerung: Garret kann recht flott und elegant klettern. Aber nur auf starr vordefinierten Wegen. Das hemmt den Spielfluß und manchmal fragt man sich einfach was der Schas soll. Auf ein Hausdach kann ich rauf, auf einen Stapel Kisten nicht? Ok.

Technisch hapert es leider ebenfalls an ein paar Stellen. Wer immer für die Einbindung der Sprach-Clips zuständig war: you Sir, messed up. Die Ladezeiten zwischen Abschnitten innerhalb eines Levels sind genau so ein Ding: Leute, wir haben nicht mehr 1998.

Aber genug gejammert, Thief hat auch seine guten Seiten. Es macht durchaus Laune über die Dächer der Stadt zu huschen. Die düstere Stimmung des Spiels kommt gut, einige Levels sind clever genug aufgebaut um Spannung zu erzeugen. Besonders gefallen haben mir die vielen kleinen Rätsel und Mini-Geschichten der Stadtbewohner, die man nebenbei entdecken kann. Thief ist eben gehobene Durchschnittsware, damit hat sich’s. Wenn man’s wie ich gern finster mag: Reinschauen schadet nichts.

Genre:                First Person Shooter
Getestet:            PS3 Version
Plattformen:     PS3, PS4, XBox 360, Xbox One, PC
Release:             2014
Entwickler:        Looking Glass Studios, Ion Storm Austin, Eidos Montreal
Publisher:          Eidos Interactive / Square Enix

Thief (2014) auf Metacritic