Editor's Rating

10
Präsentation
8
Atmosphäre
8
Technik/Bedienung
9
Sound/Musik
7
Gameplay

Der dritte Teil der Rollenspielsaga rund um den Hexer Geralt von Rivia entführt uns in eine Fantasywelt, die gerade dabei ist, im Chaos zu versinken.

Das Kaiserreich Nilfgaard hat seinen Eroberungsfeldzug bis in die Nördlichen Königreiche ausgedehnt und im ganzen Land herrscht Kriegszustand. Die Bevölkerung leidet unter Banditen, Seuchen, Hunger und umherstreifenden Monstern. Ein hässlicher Krieg, der das Hässlichste in den Menschen hervorbringt.

Titelheld Geralt – als „Hexer“ mit speziellen Monsterjäger-Fähigkeiten ausgestattet – zieht von Dorf zu Dorf, um gegen ein Entgelt der einen oder anderen Plage den Garaus zu machen. Vor allem jedoch ist er auf der Suche nach seiner Ziehtochter Cirilla, die aufgrund ihrer mysteriösen magischen Kräfte von einer geisterhaften Reiterhorde, der titelgebenden „Wilden Jagd“, verfolgt wird.

Das Spielprinzip ist genretypisch. Man steuert Geralt aus der Third Person Perspektive durch eine riesige, offene Spielwelt, auf der Suche nach Quests, Schätzen und Ausrüstungsgegenständen. Dabei nutzt der Hexer sein Talent als Fährtenleser, das ihn verborgene Hinweise erkennen lässt. Diese Spielmechanik wurde clever genutzt, um kleinen Quests einen Spannungsbogen zu verpassen.

Kämpfe werden in Echtzeit ausgetragen, wobei der Hexer auf eine Mischung aus Zaubern und Schwertkampf setzt. Leider sind die Feindkontakte nicht besonders anspruchsvoll, für die meisten reicht eine Abfolge aus Ausweichen/Blocken und Zuschlagen völlig aus.

Wild Hunt ist wunderschön anzusehen. Im Vergleich zu Genrekollegen gefällt vor allem die Glaubwürdigkeit der Spielwelt. Während etwa Dragon Age: Inquisition mehr auf visuelles Spektakel und optischen Abwechslungsreichtum setzt, punktet Wild Hunt mit seiner rauen Wildnis und einem konsistenteren Gesamtbild. Charaktere und Gegner sind gestalterisch auf höchstem Niveau, Animationen und Sprecher erstklassig. Schade nur, dass die Hauptstory eher unspektakulär verläuft. Insgesamt ist die Qualität der Quests aber dennoch hoch.

Wie so viele Rollenspiele dieses Umfangs leidet auch The Witcher III unter Überfluss und Redundanz, was die Wertgegenstände und Features betrifft. Manche Rüstung trägt man gerade einmal ein paar Minuten, bevor die nächstbessere gefunden wird. Features wie die Charakterupgrades, das Schmieden und Alchemie sind zwar an sich interessant, hinterlassen aber den Eindruck schmückenden Beiwerks. Für den Erfolg relevant sind sie kaum.

Was Wild Hunt zu etwas Besonderem macht, ist, dass es nicht nur mit in den üblichen „High-Fantasy“-Klischees aufwartet. Neben noblen, wohlgeformten Helden trifft man hier auch auf Diebe, Huren, Trinker, Zocker, Schläger, Lügner und Opportunisten. Von Anfang an wird das Gefühl vermittelt, dass ein Eingreifen des „Helden“ nicht automatisch alles zum Guten wenden wird können. Das verleitet selbst notorische „Rollenspiel-Gutmenschen“ (wie mich) zu ungewohnten Entscheidungen und Herangehensweisen.

Neben seinen sonstigen Vorzügen – stimmungsvollem Setting, spannenden Quests – ist Wild Hunt alleine deshalb schon eine Empfehlung wert.

Genre:                Rollenspiel
Getestet:            PS4 Version, Patch 1.07 (Englisch)
Plattformen:      PS4, Xbox One, PC
Release:             2015
Entwickler:         CD Project RED
Publisher:          Namco Bandai, Warner Bros. Interactive

The Witcher III – Wild Hunt auf Metacritic