Editor's Rating

8
Präsentation
8
Atmosphäre
5
Technik/Bedienung
7
Sound/Musik
4
Gameplay

Das First Person Adventure Everybody’s Gone to the Rapture entführt uns in ein kleines englisches Städtchen in einem abgelegenen, idyllischen Tal.

Schnell wird klar: hier ist etwas ganz und gar nicht in Ordnung. Sämtliche Einwohner haben sich scheinbar in Luft aufgelöst. Die einzigen Anhaltspunkte um zu erfahren, was passiert sein könnte, liefern überall verstreute, kryptische Tonbandbotschaften und seltsame Lichtprojektionen, die auf wundersame Weise einen Blick in die Vergangenheit ermöglichen.

Anders als in klassischeren Adventures verfügt man in Everybody’s Gone to the Rapture weder über ein Interface, noch über einen sichtbaren Avatar, Werkzeuge oder gar ein Inventar. Bis auf wenige Ausnahmen kann man zudem kaum mit der Umgebung interagieren. Eine weitere eigenwillige Gamedesign-Entscheidung: man kann nicht laufen. Sondern nur gehen.

Diese absichtliche Verlangsamung des Geschehens sagt schon sehr viel darüber aus, was man von Everybody’s Gone to the Rapture erwarten darf und was nicht. Hier gibt es keine Action. Das Spielziel und der Spielsinn liegen im Erforschen der Spielwelt selbst. Das reduzierte Bewegungstempo unterstreicht den meditativen Grundton und fordert das bewusste Erleben und Erkunden.

Bei einem derart starken Fokus auf eine menschenleere Spielwelt sollte diese dann aber – selbst wenn sie dank der CryEngine wirklich hübsch aussieht – doch dynamischer sein. Ich hätte mir eine echte Physik und mehr Interaktionsmöglichkeiten gewünscht.

Das gedrosselte Fortbewegungstempo hat mich streckenweise brutal genervt, dann wieder war ich überrascht, wie weit ich gewandert war, ohne es zu bemerken. Einen vergleichbaren Eindruck hat überhaupt das gesamte Spiel hinterlassen: zum Teil war ich frustriert und gelangweilt, aber immer wieder ergaben sich doch schöne, erinnerungswürdige Momente.

Der Wandertrip dauert übrigens nur etwa 4-5 Stunden. Wer es mit dem Erkunden ganz genau nimmt, kann jedoch auch längere Zeit in der englischen Provinz verbringen.

Everybody’s Gone to the Rapture ist gewiß kein Spiel für jedermann. Wem normalerweise schon bei der Intro-Cutscene eines Games der Geduldsfaden reißt, der sollte lieber die Finger davon lassen. Wer sich vom ungewöhlichen Grundkonzept nicht abschrecken lässt, den erwartet ein stimmungsvoller Ausflug in eine von sanfter Melancholie durchwehte Welt, in der Menschen nur mehr als Erinnerungen existieren.

Genre:                Adventure
Getestet:            PS4 Version (Englisch)
Plattformen:      PS4
Release:              2015
Entwickler:         The Chinese Room
Publisher:          Sony

Everybody’s Gone to the Rapture auf Metacritic